Programmatische Forderungen der Initiative der Deutschen Designverbände (iDD) an die deutsche Politik zur Stärkung der Designwirtschaft als Wachstumsmotor der Kreativwirtschaft in Deutschland und Europa.
Wir, die Mitgliedsverbände der iDD, wünschen uns mehr Rechtssicherheit und ein stabileres berufliches Umfeld für die Klein- und Kleinstunternehmen unserer Mitglieder. Förderungspolitisch sehen wir nicht die Designerinnen und Designer im Fokus, sondern die Unternehmen und Institutionen, denen die Investitionen in Kreativleistungen als wertvoll und rentabel nahe gebracht und erleichtert werden sollen.
Die von einigen Politikern geforderten zusätzlichen Kreditmittel sind für die Zielgruppe Designer nur eingeschränkt hilfreich. Notwendig sind wenn überhaupt niedrigschwellige Angebote, deren Vergabekriterien in der Praxis von Kleinstunternehmern ohne großen zusätzlichen Aufwand zu erfüllen sein müssen. Die beste Wachstumschance, die nachhaltigste Liquiditätsvorsorge und der beste Schutz vor Insolvenz ist jedoch die erfolgte Zahlung einer angemessenen Vergütung für Kreativleistungen. Daher müssen die Unternehmen und Institutionen in den Förderfokus rücken; es gilt, ein Mehr an qualifizierter Nachfrage zu erzeugen.
A
Wichtigstes Anliegen ist es, eine umfassende Rechtssicherheit für den Berufsstand der Designerinnen und Designer herzustellen.
• Die Vermarktung geistigen Eigentums durch den Designer und die weitere Verwertung durch den Auftraggeber muss eindeutiger, sicherer und einfacher werden.
• Auch beim Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) muss mehr Klarheit geschaffen werden: Nur für Tätigkeiten, die der Versicherungspflicht unterliegen, dürfen auch Abgaben eingefordert werden.
Plausibilität und Rechtssicherheit sind Grundvoraussetzungen für die Akzeptanz des KSVG in Wirtschaft und Gesellschaft.
• Ausschreibungen und Wettbewerbe der öffentlichen Hand müssen nicht nur laut Ausschreibungstext, sondern auch in der Ausschreibungspraxis, Ausschreibungsbegleitung und Ausschreibungsauswertung fair gestaltet sein. So darf es weder die Forderung nach Entwürfen ohne Vergütung geben, noch dürfen sich Ausschreibungstext und -praxis widersprechen.
Beispiel: Im Text werden kreative Roh-Ideen eingefordert, bei der Vergabe wird jedoch die praktische Umsetzbarkeit als Hauptkriterium angewandt. In Ausschreibungstexten muss bei Designleistungen der Fokus auf Design liegen: Angaben wie das polizeiliche Führungszeugnis, Umsätze oder die Zahl der Angestellten dürfen nicht erhoben werden und spielen bei der Beauftragung von Kreativen auch keine Rolle.
B
Das Bild der Designwirtschaft und der Kulturwirtschaft ist unvollständig: Kleinstunternehmer, die einen großen Teil der Wertschöpfer in diesem Bereich ausmachen, werden bisher nicht berücksichtigt.
• Neben der Umsatzsteuerstatistik des neu geschaffenen WZ 74.1 sollten alle Umsätze, also auch die Minimalumsätze unter 17.500, € Jahreseinkommen, erfasst werden, um ein realistisches Bild der Designwirtschaft auch im Bereich sozialpolitischer Relevanz zu zeichnen.
Die Prägung der Kultur- und Designwirtschaft durch überdurchschnittlich viele gering verdienende selbstständige Designerinnen und Designer wird in der Umsatzsteuerstatistik des Statistischen Bundesamtes nicht hinreichend erfasst und verfälscht die Gewichtung dieses Wirtschaftszweiges. Hinzu kommt die sozialpolitische Bedeutung von sich selbst beschäftigenden Kleinstunternehmern, die keine weiteren Sozialleistungen beanspruchen.
C
Durch die KSK-Abgabe dürfen freiberuflichen Designerinnen und Designern sowie deren Auftraggebern keine Nachteile entstehen.
Es dürfen keine Markthemmnisse aufgebaut werden, die im schlimmsten Fall später durch Sozialleistungen wieder aufgefangen werden müssen.
• Unsere Befürchtung und leider auch konkrete Beobachtung ist, dass Auftraggeber aufgrund der durch die Generalklausel für alle Unternehmer geltende Abgabepflicht und der in diesem Jahr verstärkten Prüfungen seitens der Deutschen Rentenversicherung davor zurückschrecken, Freiberufler zu beauftragen und sich stattdessen immer juristische Personen (GmbH, AG, Limited etc.) als Auftragnehmer suchen. Diesbezügliche Empfehlungen von Unternehmerverbänden existieren bereits. Schon der administrative Aufwand, nicht die Höhe der Zahlungen, ist für viele Unternehmen ein Grund, KSK-abgabefrei bleiben zu wollen.
• Wir fordern eine bessere öffentlichkeitsarbeit durch den Gesetzgeber und die KSK. Die Aufklärungslast über die Abgabenpflicht darf nicht hauptsächlich bei den Kreativen liegen; Aufklärung muss unparteiisch und ausreichend erfolgen. Die Abgabepflicht muss zu einer Selbstverständlichkeit werden wie die Umsatzsteuer.
D
Weitere berufliche Umfeldverbesserungen
• Universität / Ausbildung: In die Ausbildungs- und Studiengänge »Design« müssen die Themenfelder »wirtschaftliche Grundlagen und Praxis | Markt und Akquise | Recht | Soziale Versorgung von Kreativen« stärker berücksichtigt werden. Parallel müssen berufliche Weiterbildungsangebote gezielter gefördert werden.
In die Studiengänge »Volks- und Betriebswirtschaftslehre« muss das Thema »Innovations- und Wirtschaftsfaktor Design« verankert werden.
• Designmanagement: Unternehmen sollten im Bereich »Design« intensiver beraten und begleitet werden (Designmanagement). Die Bedeutung des Innovationsmotors Design muss der Mehrzahl der deutschen Unternehmen erst erklärt und nahe gebracht werden.
• Designforschung: Wir wünschen uns eine verstärkte Forderung und Etablierung von Designforschung. Untersuchungsgegenstände sollten u.a. sein:
• Design als Innovationsfaktor
• Rolle von Design in der Wertschöpfungskette
• Design als Innovationprozess
• Design als Basis der Content-Industrien IT und Media. Verlässliche Studien können der Wirtschaft Argumente liefern, verstärkt in den Designbereich zu investieren.
• Klassifikation: Die Klassifikation der Wirtschaftszweige muss erneut auf Überschneidungen und verzerrende Zuordnungen hin geprüft werden.
Textredaktion: Jürgen Grothues (AGD)
Beschlossen und verabschiedet durch das iDD-Plenum am 14.Mai 2008 in Essen
Forderungen der iDD an die deutsche Politik (PDF-Datei, 132 KB)
Forderungen der iDD an die deutsche Politik (rtf-Datei, 8 KB)